Wenn es brennt, zählt jede Minute – Ja zur Mobilitätsinitiative

03. September 2025

Beat Hirter ist Präsident des Kantonalen Feuerwehrverbands Zürich und kämpft an vorderster Front für die Mobilitätsinitiative. Im Interview erklärt er, weshalb gerade die Feuerwehr auf Tempo 50 auf Hauptachsen angewiesen ist.

Herr Hirter, warum setzen Sie sich für ein Ja zur Mobilitätsinitiative ein?

Unser Auftrag ist klar: Wir retten Menschen und Tiere und schützen Sachwerte. Dafür müssen wir schnell am Einsatzort sein. Sowohl beim Ein- als auch beim Ausrücken sind wir darauf angewiesen, dass der Verkehr fliesst. Künstlich durch Tempo 30 verlangsamte Hauptachsen oder ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Temporegimes bremsen uns aus. Mit potenziell fatalen Folgen! Wenn es brennt, zählt jede Minute. Tempo 30 auf Hauptachsen kann Leben kosten – das erleben wir als Feuerwehr im Alltag.

Kritiker sagen, der Unterschied zwischen Tempo 30 und Tempo 50 sei marginal. Überspitzen Sie nicht?

Ganz und gar nicht. Wenn jede Minute zählt, muss der Weg frei sein. Das Gesetz schreibt vor, dass in dicht besiedeltem Gebiet ein Ersteinsatzelement von 10 AdF (Angehörige der Feuerwehr) spätestens 10 Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort eintreffen muss. Dabei kosten Temporeduktionen auf Hauptachsen wertvolle Zeit. Nach unseren Erhebungen kann die Zeitvorgabe bereits heute bei rund 30 Prozent der dringlichen Einsätze nicht mehr eingehalten werden.

Aber: Mit Blaulicht und Wechselklanghorn können Sie doch auch schneller fahren – auch auf Tempo-30-Strecken.

Das stimmt nur bedingt. Bei Blaulichtfahrten dürfen wir die Tempolimits zwar überschreiten – aber nur verhältnismässig. Beim Einrücken hingegen müssen auch wir uns an die geltenden Vorschriften halten. Bereits bei einer Überschreitung von ca. 21 km/h innerorts ist der Führerausweis weg.

Tempo 30 betrifft nicht nur die Feuerwehr. Was sagen Rettungskräfte und Polizei dazu?

Wir stehen im engen Austausch mit unseren Partnerorganisationen. Auch die Rettungskräfte und die Polizei berichten von verzögerten Einsätzen durch Tempo 30 auf Hauptachsen. Bei medizinischen Notfällen entscheiden Sekunden über Leben und Tod. Wenn der Verkehr stockt oder Umwege nötig werden, steigt das Risiko für die Betroffenen. Die Einsatzfahrzeuge kommen später an – und der Schaden ist im Zweifel irreversibel.

Was wäre die Alternative, falls Tempo 30 weiter eingeführt wird?

Die Kompensationen wären vor allem eines: Teuer! Es müssten zusätzliche Feuerwehrdepots gebaut oder vollberufliche Einsatzkräfte angestellt werden. Beides belastet die Steuerzahler stark. Noch gravierender ist aber: Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sinkt. Das ist unverantwortlich.

Deshalb stimme ich am 30. November Ja zur Mobilitätsinitiative. Damit der Verkehr fliesst und wir Feuerwehrleute rasch an die Einsatzorte kommen. Um Menschen und Tiere zu retten und Sachwerte zu schützen.